Eklatante Fehlentscheidungen gefährden Nationalpark

3. Juni 2009
Nationalpark Eifel
NABU fordert klaren Vorrang für die Natur vor allen anderen Interessen
Nr. 29/09 ---- 03.Juni 2009

Nicht nur die Wiese der Abtei Mariawald bei Heimbach, sondern auch der Wald im Nationalpark sollen für ein Wisentgehege missbraucht werden (Foto: M. Aletsee)
Düsseldorf. Seit fünf Jahren besteht der erste Nationalpark Nordrhein-Westfalens. Die heute zu erwartende durchweg positive Bilanz des Umweltministeriums und der Nationalparkleitung ist aus Sicht des NABU NRW jedoch nicht nachvollziehbar. „Die fortgesetzte Jagd auf Hirsche und Rehe, die mangelnde Besucherlenkung und Wegekontrolle und die geplante Anlage eines Wisentgeheges im Nationalpark sind nur einige Punkte, die im eklatanten Widerspruch zum Nationalparkgedanken stehen, Natur Natur sein lassen“, übt Dr. Manfred Aletsee, Nationalpark-Experte des NABU NRW, heftig Kritik an der aktuellen Situation. Nach wie vor fehlten klare Vorgaben, die der Natur im Nationalpark absoluten Vorrang vor jeglichen anderen Interessen einräumten.

Das zurzeit geplante Wisentgehege bei Mariawald sei da nur die Krönung einer langen Reihe von Fehlentscheidungen, die im Laufe der letzten fünf Jahre die Entwicklung des Nationalparks Eifel nachhaltig negativ beeinflusst hätten. „Die Einrichtung eines Wisentgeheges im Nationalpark-Waldgebiet bedeutet konkret die Einrichtung einer Waldweide und steht damit im krassen Widerspruch zum erklärten Schutzziel des Parks“, erklärt Aletsee. Dem NABU sei völlig unverständlich, dass die hierdurch entstehenden Beeinträchtigungen an der natürlichen Vegetation plötzlich aus Sicht der Nationalparkverwaltung und des Umweltministeriums hinnehmbar seien. Denn andererseits würden im umgebenden Nationalparkwald frei lebende Rothirsche und Rehe abgeschossen, weil sie angeblich für das Ökosystem eine Gefahr darstellten. Zudem vermittelte ein solches Gehege im Nationalpark den Besuchern ein völlig falsches Bild von der Funktion eines solchen Schutzgebietes. „Ein Nationalpark ist kein Zoo“, so Aletsee.

Um den Einfluss des Menschen auf die Entwicklung der Ökosysteme im Nationalpark endlich zu minimieren und den Nationalpark doch noch das werden zu lassen was er sein sollte, nämlich ein Gebiet zum Schutz der Natur und ein Raum für natürliche Entwicklungsprozesse, sei eine Perspektive für eine zukünftige Minimierung solcher nicht nationalparkkonformer Eingriffe daher dringend erforderlich, so der NABU-Nationalparkexperte.

Positiv bewerte der NABU die Laubwaldentwicklung im Nationalpark. Noch dominierten zwar Nadelbäume das Bild. Doch die Maßnahmen zur Reduzierung von Douglasie und Fichte führten langfristig auf größeren Flächen zur Entwicklung eines naturnahen Buchenwaldes. „Bis man da von einem Buchen-Urwald sprechen kann, ist aber noch viel Zeit und vor allem schwindender menschlicher Einfluss erforderlich“, so Aletsee.


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