Eifelteam-Exkursionen

22. August 2010
NABU Eifelteam
Über den Tellerrand



Foto: Manfred Aletsee

Die diesjährige Pfingstexkursion führte das NABU Eifelteam in den östlich von Amsterdam gelegenen Nationalpark Oostvaardersplassen auf Flevoland. Dort wurden Konikpferde, Heckrinder und Rothirschen ausgesetzt und dürfen ohne Jagd, Fütterung und sonstige menschliche Eingriffe leben und sterben - einzigartig in Mitteleuropa.

Berühmt geworden ist der Park zunächst durch seine Vogelwelt. Flevoland entstand 1968 nach dem Ende des Landgewinnungsprojektes im Ijsselmeer. Der ursprünglich als Industriegebiet vorgesehene Teil zwischen den neuen Städten Almere und Lelystad wurde schnell von vielen Vogelarten besiedelt. Neben großen Kolonien von Kormoranen und Graugänsen, die von hier aus die Niederlande und auch den deutschen Niederrhein neu besiedelten, brüteten Silberreiher und Seidenreiher in den großen Schilfbeständen das erste Mal seit über einem Jahrhundert in den Niederlanden. 1974 wurde erstmalig ein 3.400 Hektar großes Gebiet als Naturreservat ausgewiesen. Heute umfasst der Park 5.600 Hektar.


Foto: Manfred Aletsee

Es war noch frisch, als wir uns am Samstag zum ersten Ausflug in Bewegung setzten. Aus dem Gesang der Vögel tönte die Nachtigall von der anderen Seite des Kanals herüber, mehrere Kuckucke waren unterwegs, ein Eisvogel verzauberte den Blick, Gartenrotschwanz, Blaukehlchen, Teich- und Schilfrohrsänger sangen um die Wette.

Dann sahen wir die Konikpferde, eine Herde von etwa 50 Tieren. Alles sah friedlich aus, doch so recht trauten wir dem Frieden nicht. Ein Hengst stand quer auf dem Weg. Mit dem nötigen Respekt huschten wir vorbei zu einer Aussichtskanzel.
Im Nationalpark leben heute 443 Rinder, 900 Pferde und 1.500 Rothirsche. Die Zahl der Rinder und Pferde ist seit fast 10 Jahren stabil, der Bestand der Rothirsche hat erst kürzlich seine durch die Nahrungsressourcen begrenzte Kapazitätsgrenze erreicht. Der strenge Winter 2009/2010 hat viele Todesopfer unter den Rothirschen gefordert. Ökologische Gesetzmäßigkeiten, die für alle Tiere gelten. In den deutschen Nationalparken hat man aber leider weiter Angst vor der Natur. So werden im Nationalpark Eifel genauso viele Huftiere, Rothirsche, Rehe und Wildschweine geschossen, wie vor seiner Gründung vor sechs Jahren.


Foto: Manfred Aletsee

Im „Geisterwald“ von Oostvaardersplassen werden die gepflanzten Weiden regelmäßig von den Hirschen und Pferden geschält, so dass die großen Bäume absterben. Ein natürlicher Prozess. Auf den nassen, nährstoffreichen Böden an der fast immer frostfreien Küste haben die großen Weidegänger ganzjährig Futter, so dass sie große Herden bilden und kleinere Wälder kaum eine Überlebenschance haben. Ganz im Gegensatz zu unseren heimischen Mittelgebirgen, wo eine Huftierpopulation von Natur aus viel geringer ist.

Zu den ornithologischen Höhepunkten der Exkursion gehörten Silberreiher, Rohrweihen, Knäck- und Kolbenenten, mehrere Löffler und ein Brauner Sichler. Im Nationalparkzentrum dokumentiert ein Film die Jungenaufzucht des Seeadlers. Die Ansiedlung des Seeadlers ist das spektakulärste Ereignis im Nationalpark in der jüngsten Zeit, denn Seeadler haben seit Menschengedenken nicht in den Niederlanden gebrütet.

Dr. Manfred Aletsee & Erwin Bausdorf
 
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