Naturerlebniscamp in den Sommerferien 2013

11. November 2013
Euregionales Feriencamp vom NABU Aachen und CNME Maastricht en regio
Bereits zum dritten Mal veranstaltete der NABU Aachen in den Sommerferien ein Euregionales Zeltlager für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren. Unterstützt wurde der NABU vom CNME Maastricht (Centrum voor Natuur en Milieu Educatie) aus den Niederlanden und durch das Interreg-Projekt AQUADRA.


Foto: Das Lager wurde auf dem Naturcampingplatz in Hergenrath eingerichtet (NABU/M. Nelißen)

„Boden ist mehr als nur Dreck!“ war das Motto des diesjährigen Feriencamps und so konnten rund 20 Kinder aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden an fünf Tagen viel Spannendes rund um dieses Thema erleben. Ausgangspunkt für die zahlreichen Aktivitäten war der Naturcampingplatz Hammerbrücke in Hergenrath (Belgien). Gleich zu Beginn nahmen die Kinder auf einer Wanderung Proben aus dem Untergrund, ganz wie die Profis mit einem Bohrstock.


Foto: Die Bodenproben wurden ganz professionell mit einem Bohrstock gezogen (NABU/M. Nelißen)
Die Zusammensetzung der Bodenproben wurde dann genauestens untersucht. Aber nicht nur die unten liegenden Bodenschichten waren interessant, sondern auch die oberen Bereiche, die eingehend nach Tieren abgesucht wurden. So landete allerlei „Krabbelzeugs“ wie Spinnen, Asseln, Springschwänze, Tausend- und Hundertfüßer, (leider auch) Zecken und Käfer entweder im „Insektenstaubsauger" oder in der Becherlupe. Noch kleinere Tierchen schauten sich die Kinder mit Hilfe von Stereolupe und Mikroskop an und konnten dabei allerlei Winzlinge bis hin zu kleinsten Fadenwürmern beobachten. Nachdem sowohl der Boden selbst als auch seine Bewohner eingehend untersucht worden waren, wurden alle „Beutetiere" feierlich wieder in ihrer Heimat ausgesetzt.
Am nächsten Tag ging es für einige der Kinder zusammen mit ihren Betreuern in den Wald. Ziel war es, eine ganze Schubkarre voll Lehm abzu¬graben – und das war echte Fleißarbeit, da der Lehm so schwer und trocken war. Aber zum Glück konnte die schwere Schubkarre mit der Ausbeute am Ende bergab gerollt werden. Im Camp angekommen, musste der Boden erst einmal aufbereitet werden, da nicht nur sehr trockener Lehm, sondern auch zahlreiche Steine und Steinchen eingesammelt worden waren. Einige der Mädchen und Jungen widmeten sich dieser Aufgabe voller Hingabe und so wurde der Lehm mit Schaufeln, Händen und Füßen und ganz viel Wasser wunderbar aufbereitet. Aus dem so entstandenen Lehmbrei modellierten alle Kinder gemeinsam am vorletzten Tag eine tolle Miniatur-Flusslandschaft mit Vulkan, Schafherde, Moos-Stausee und vielem mehr.
Während einige der Kinder im Wald waren, hatte eine andere Gruppe am Rand des Lagers einen kleinen, aber feinen Barfu߬pfad angelegt. Fleißig hatten die Kinder im Umfeld u. a. Fichtenzapfen, Holzhäcksel, Reisig, Steine und Sand gesammelt und zu einem Pfad mit verschiedenen Belägen ausgelegt. Die Lehmsammelgruppe kam gerade richtig zurück, um mit den Pfadbauern zusammen den Barfußpfad zu testen – natürlich barfuß! Die Begeisterung war so groß, dass die meisten Schuhe gleich bis zum Abend an Ort und Stelle blieben und erst später von den Betreuern an ihre Besitzer zurück gegeben wurden.
Da der Zeltplatz an dem Bach Göhl liegt, stand neben dem eigentlichen Motto natürlich auch das Erleben des Wassers im Mittelpunkt des Sommerferiencamps. Ob kleine Wassertierchen suchen, Floß-Wettrennen, Staudamm bauen oder einfach nur Steine-ins-Wasser-werfen – einige Kinder konnten sich kaum noch vom Bach trennen. Auch das Aufspüren der nur maximal 20 cm großen Groppen (auch Mühlkoppen genannte Fische), die gut getarnt am Bachgrund unter Steinen versteckt leben, war ein großer Spaß für viele der Mädchen und Jungen.
Am dritten Tag erkundeten die Teilnehmer ausgiebig den benachbarten Steinbruch¬see. Die Steilwände und das klare, blaugrüne Wasser verbreiteten eine ganz eigene Stimmung. Vor der Rückkehr zum Lager wurde mit einem Planktonnetz eine Probe der Mikroorganismen aus dem Wasser gezogen und später unter dem Mikroskop untersucht. Erst dabei zeigte sich die geheime Welt eines einzelnen Wassertropfens, in dem Blau- und Grünalgen, Wasserflöhe, Blattfußkrebschen und andere Kleinstlebewesen zu bestaunen waren.
Neben den zahlreichen Unternehmungen gab es auch viel Zeit zum Toben, Spielen und Basteln. Hoch im Kurs standen Schnitzen, Filzen und der Bau von Mini-Flößen aus Stöcken oder Korken. Dabei entfaltete so mancher Junge und manches Mädchen bis dahin für ihn oder sie selbst ungeahnte kreative Kräfte. Für Spielrunden stand – nicht nur an dem einen Regentag – ein schönes großes Tipi zur Verfügung. Abends wurden am Lagerfeuer Geschichten erzählt und einmal wurde sogar eine Nachtwanderung gemacht, wobei aber die geplante Fledermausexkursion leider wegen des starken Regens ausfallen musste. Zum Lagerfeuer gehörten diesmal nicht nur Stockbrot und die süßen Marshmallows, sondern auch eine Feuerwerkstatt. Das erste Feuer wurde wie in der Steinzeit mit Funken aus Feuerstein und echtem Zunder aus der Natur ange¬zündet. Später zeigte eine der Betreuerinnen, wie man aus verschiedenen Naturmaterialien wie Wachs, Öl, Harz und Baumwolltuch Fackeln bauen kann, was nicht nur die Kinder sehr beeindruckte.
Das Naturerlebniscamp endete gemeinsam mit den eingeladenen Eltern, die sich bei dieser Gelegenheit einen persönlichen Eindruck vom Ferienlager verschafften und die Werke ihrer Kinder bewunderten und bestaunten. Der Höhepunkt des Camps war die gemeinsame „Flutung" des Flussmodells aus Lehm. Obwohl der Lehm noch nicht richtig durchgetrocknet war, hielt er so mancher Überflutung stand. Damit endete eine tolle Woche für Kinder und Betreuer gleichermaßen, auch wenn das Sommerwetter sich nicht immer von seiner besten Seite zeigte.

Monika Nelißen
 
Der Waldkauz Broschüre GrenzRouten 2009 Fast weg ... der Weißstorch