NABU gratuliert zu 10 Jahren Nationalpark Eifel

20. Februar 2014
Trotz Licht und Schatten in der Bilanz bleibt die Einrichtung des Nationalparks ein Meilenstein für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen/ NABU sieht Defizite in der Informationspolitik
Düsseldorf – Seit 10 Jahren besteht der erste nordrhein-westfälische Nationalpark in der Eifel. Anlass für den NABU, nun differenziert Bilanz zu ziehen: „Trotz Licht und Schatten in der Entwicklung des Nationalparks bleibt seine Einrichtung ein Meilenstein für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen“, so Dr. Manfred Aletsee, NABU-Nationalparkexperte und Mitglied des Landesvorstands. Ein solches Großschutzgebiet ermögliche nicht nur die großflächige natürliche Entwicklung heimischer Laubwälder, es sichere auch zahlreichen bedrohten Arten wie Wildkatze, Uhu und Mittelspecht langfristiges Überleben und trage damit erheblich zum Erhalt der heimischen Biodiversität bei – ein wesentliches Ziel der nordrhein-westfälischen Naturschutzpolitik. Um dieses Ziel zukünftig landesweit zu gewährleisten, sei die Einrichtung eines zweiten Nationalparks unerlässlich. Der NABU fordert die Landesregierung deshalb auf, dieses Ziel in Ostwestfalen weiter zu verfolgen.
„Die Möglichkeit, dass sich Natur ohne menschliches Zutun und ohne menschlichen Einfluss in ihrer ursprünglichen „Wildheit“ entwickeln kann, ist nicht nur für die Natur ein Vorteil, sondern auch für die Menschen“, sagt Aletsee weiter. So ermögliche der Nationalpark Eifel mit seinen zahlreichen Angeboten an Exkursionen, Führungen und Vorträgen - auch in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden - Natur hautnah zu erleben. Bei aller Tourismusfreundlichkeit müsse für einen Nationalpark aber sein eigentlicher Zweck, nämlich der Schutz der Natur, im Mittelpunkt stehen.
„Wenn all diese Angebote dazu beitragen, zu vermitteln, dass Natur nicht an den Nationalparkgrenzen aufhört, dass Tierarten wie der Schwarzstorch oder bestimmte Fledermausarten größere Flächen benötigen, um stabile Bestände aufzubauen, und dass darauf auch im Umland des Nationalparks Rücksicht zu nehmen ist, dann ist dies auch ein großer Erfolg für den Naturschutz“, so Aletsee. Deshalb sei eine große windparkfreie Zone im Umland für den NABU nicht nur eine Forderung, sondern eine naturschutzfachlich begründete Selbstverständlichkeit. Hier seien insbesondere die umliegenden Kommunen gefragt, die sich gerne im Nationalparkimage sonnen und vom aufblühenden Tourismus profitieren möchten, aber nicht bereit seien, auch ihren Beitrag zu leisten und auf Windkraftanlagen in den Brutrevieren von Schwarzstörchen zu verzichten.
Kritik übt der NABU NRW an den nach wie vor ungelösten Problemen des Nationalparks Eifel. Insbesondere sei der Nationalparkgedanke bei weitem nicht ausreichend umgesetzt: „Schafherden mögen den Landschaftsromantiker reizen, haben jedoch in einem Nationalpark, in dem sich Wildnis entwickeln soll, nichts zu suchen“, kritisiert Aletsee. Unter dem Label Wildbestandsregulierung werde weiter gejagt - selbst auf Rehe. Die Abschusszahlen seien dabei so hoch wie in einem normalen Wirtschaftswald.
Ein großes Manko sei zudem die unzureichende Kommunikation mit und teils fehlerhafte Information der breiten Öffentlichkeit: Der Nationalpark werde als Wildnis verkauft, er sei es aber noch nicht. Aletsee: „Eine Fichtenmonokultur im Nationalpark, die durch Wind und Borkenkäfer zusammenbricht, mag ´wild´ aussehen, ist aber naturfern. Vielmehr holt sich die Natur eine Fläche zurück, die der Mensch mit für die Eifel gebietsfremden Bäumen bepflanzt hat. Erst wenn sich hier wieder ein Wald aus heimischen Laubgehölzen entwickelt hat und dieser sich ein bis mehrere Jahrhunderte selbst überlassen bleibt, kann man wieder von Wildnis sprechen.“ Zu dieser Entwicklung gehörten dann auch Reh, Rothirsch und Wildschwein.
Naturschutzfachlich nicht zu kritisieren seien aus Sicht des NABU jedoch die jüngst öffentlich an den Pranger gestellten Kahlschläge naturferner Fichtenmonokulturen in Bachtälern. „Der Nationalpark Eifel ist ein Entwicklungsnationalpark, deshalb ist ein solches Vorgehen naturschutzfachlich sinnvoll“, erklärt der NABU-Nationalparkexperte. Allerdings sei es nicht nachvollziehbar, dass die Nationalparkfläche nach den Richtlinien des FSC zertifiziert ist. Denn der Nationalpark sei kein Wirtschaftswald. Langfristiges Ziel des Nationalparks sei eine von Menschen unbeeinflusste Entwicklung. Die FSC-Zertifizierung der Nationalparkwälder sei deshalb wieder aufzuheben. All diese Zusammenhänge müssten entsprechend transparent in die breite Öffentlichkeit kommuniziert werden. Nur so ließen sich Missverständnisse vermeiden und ein rücksichtsvoller Umgang der Bevölkerung mit der Natur dauerhaft gewährleisten.
Für Rückfragen:
Dr. Manfred Aletsee, Landesvorstand NABU NRW und NABU-Eifelteam, 0171-6578287

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Redaktion: Birgit Königs
 
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